2. Juni 2010
Herbst 2010
Geschrieben von Dirk Meidel
Nachdem meine Eltern also nur mit sich selbst beschäftigt waren, lehrten sie mich auch nicht sprechen und aufs Töpfchen zu gehen. Das ganze wurde dann an meinem Geburtstag bestraft. Ich durfte wieder keine meiner Eigenschaften selbst aussuchen, sondern bekam wegen schlechter Erziehung eine Eigenschaft aufgezwungen, genauso passierte es beim nächsten Geburtstag... diesmal allerdings wegen schlechter Noten! Trotz schlechter Noten bekam ich ein Fahrrad geschenkt, mit welchem ich in der Stadt ständig unterwegs war. War ich nicht ein Schönling?
Ich wollte immer die Stadt kennenlernen. Und nicht nur die Stadt, sondern die komplette Nachbarschaft! Ich lief von Strand zu Strand, zu der alten Mine oder zu den geheimnisvollen Steinkreisen! Es war toll! Mein Hobby damals war es, Steine/Meteoriten zu sammeln. Überall in der Nachbarschaft lagen sie verteilt. Es war spannend und wenn ich mal ein Gebiet leergesucht hatte, tauchten nach einiger Zeit nach dem Zufallsprinzip wieder neue auf, andere und an verschiedenen Stellen. Zu Hause schickte ich die Steine per Post zum Schleifen und die Metalle zum Einschmelzen und als sie wieder zurückkamen, sahen sie ganz toll aus und waren um den doppelten oder dreifachen Wert gestiegen!
Die Edelsteine funkelten und strahlten, ich konnte sie auf einem Kissen oder auf einem kleines Podest präsentieren, was noch eleganter und schicker wirkte. Die eingeschmolzenen Metalle kamen als Barren zurück, welche ich in meinem Keller bunkerte. Nach den Steinen sammelte ich Insekten, auch die waren überall zu finden. Einige verkaufte ich an das Forschungslabor, andere stellte ich in meinem Zimmer in Glaskästen auf. Außerdem ist mir dabei irgendwann aufgefallen, dass die wirklichen Schätze und die seltensten Pflanzensamen weit außerhalb der Stadt zu finden sind. Also begann ich, besonders an entlegenen Teichen oder in den höchsten Bergen auf die Pirsch nach wertvollen zu gehen. Aber am liebsten schlich ich draußen bei Dunkelheit in der Stadt herum. Bis ich eines Tages von der Polizei erwischt wurde und die mich ermahnte, dass ich über der Sperrstunde für Jugendliche hinaus bin. Ich wurde mit dem Polizeiauto nach Hause gebracht, mein Vater war natürlich überglücklich, dass ich wieder zu Hause bin, und schloss mich mit einem Lachen in die Arme!
Endlich aber war es soweit, der Tag meines Geburtstags, der Wechsel in das Erwachsenenleben! Ja, ja nervt nicht rum! Ich weiß auch, dass ich wieder keine Eigenschaft selbst aussuchen durfte! Viel wichtiger ist doch, dass ich endlich ein junger Erwachsener war. Ich konnte tun und lassen was ich wollte. Meine Eltern waren auch schon grau und mein Vater dankte kurze Zeit später ab, ziemlich undramatisch. Zeit auszuziehen. Ich zückte mein Handy und wählte ausziehen. Ich hatte die Wahl, wer mit mir ausziehen möchte. Natürlich ich alleine! Als nächstes musste ich auswählen, wer der aktive Haushalt sein wird. Natürlich auch ich! Und schwupp! All das Haushaltsgeld meiner Eltern wechselte zu mir... hehe.
Nachdem ich mir auf der Stadtkarte also ein passendes Grundstück rausgesucht hatte, holte mich auch sofort das Taxi ab und brachte mich zu meinem eigenen Grundstück. Da stand ich nun, der Wind streichte mein wallendes Haar und ich überlegte mir, bescheiden zu sein. Klein werde ich anfangen und mich hocharbeiten. Ganz langsam. Ich baute mein erstes Haus und richtete es gemütlich ein.